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Nur wenige Erkrankungen haben einen derartigen Stellenwert. Der Gelenkverschleiß plagt mit zunehmendem Alter nahezu jeden in unterschiedlichem Ausmaß. Dabei sind die verletzungsbedingten Ursachen im Rahmen von Freizeit- und Berufsunfällen deutlich in der Minderheit. Unser genetisches Strickmuster bestimmt weit mehr, ob und wann wir von der Arthrose betroffen sind. So sind oftmals mehrere Generationen einer Familie soweit betroffen, dass die Häufigkeit von Knie- und Hüftprothesen auffällig sind. Die Qualität unseres Knorpels und Bindegewebes scheint also eine wesentliche Rolle zu spielen. Dabei ist Übergewicht nicht unbedingt ein prädisponierender Faktor, wohl aber ein Verstärkungsaspekt bei bestehender Arthrose.
Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren intensiv an diesem Problem gearbeitet. Bestehende diagnostische- und therapeutische Methoden sind auf den Prüfstand gekommen. Auch wenn die Gentechnik im Rahmen der Knorpelzellzüchtung (tissue engineering-MACI etc.) Fortschritte gemacht hat, so ist deren Anwendung auf kleine Patientengruppen beschränkt, da nur bestimmte Indikationen sinnvoll dafür geeignet sind. Die Frage, ob eine Arthrose bei Prädisposition aufgehalten bzw. zumindest verzögert werden kann ist nicht abschließend zu beantworten. Vielfältige Strategien werden angeboten, mehrheitlich mit ausschließlich kommerziellen Hintergründen. Die Anpassung der Ernährung z.B. durch Ergänzungsmittel ist populär aber nicht gesichert. Lediglich das Glucosaminsulfat steht in der Wirkung auf einer höheren Evidenzstufe gesicherter Methoden.
Die Folgen einseitiger übermäßiger beruflicher und sportlicher Belastungen spielen sicherlich eine Rolle. Die bio- mechanischen Aspekte durch ungünstige Achsabweichungen z.B. Wirbelsäule, Becken-Bein-Achsen sind relevant. Allerdings sind auch hier nicht alle Betroffenen mit einer stärkeren Arthrose behaftet.
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Daneben sollten wir realisieren, dass die Evolution derartige durchschnittliche Lebenserwartungen sicherlich in so kurzer Zeit nicht anpassen kann. So werden wir uns mit dem Verschleiß unserer Gelenke und Wirbelsäule abfinden müssen. Aber wir können zumindest Schmerzen lindern und Funktionsbeeinträchtigungen verbessern. Das Repertoire reicht von konservativen Maßnahmen wie Physiotherapie, Akupunktur, Hyaluronsäure - Orthokin® Injektionen, Medikamente zur Schmerz- und Entzündungshemmung, Pulsierender Magnetfeldtherapie, Diät, Sport- und Bewegungsprogramme, Hilfsmittel wie Orthesen, Bandagen und Einlagen, Nahrungsergänzung – Glucosaminsulfat etc. bis hin zu operativen Maßnahmen mit arthroskopischer Gelenksanierung und Knorpelzelltransplatation Mikrofrakturierung etc., Prothesen, achskorrigierender Umstellungsoperation, Radiosynovio- orthese etc.
Diese Strategien als abgestuftes Gesamtkonzept sollte sinnvoll auf den einzelnen Patienten und sein individuelles Risikoprofil abgestimmt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht jede Arthrose im Röntgenbild auch mit Schmerz verbunden ist und nicht jede Gelenkarthrose durch eine Prothese zur gewünschten vollen uneingeschränkten Funktionsfähigkeit führt.
Wir bieten unseren Patienten unter Hinweis der gesicherten Wirkungsrelevanz ein abgestuftes Behandlungskonzept an. Nicht jedes moderne Verfahren kann in kurzer Zeit seine wissenschaftliche Evidenz entwickeln, dies bedeutet aber keinesfalls, dass die Methoden nicht wirksam sind. Auch das Erstattungsverhalten der Versicherung und Beihilfestellen ist kein zuverlässiges Wirkungskriterium.
Der medizinische Fortschritt von heute ist der Irrtum von gestern.
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